Informationen zum Thema FIP

Was bedeutet FIP?
Die FIP (Feline infektiöse Peritonitis = ansteckende Bauchwassersucht
der Katzen) ist eine Katzenkrankheit, die durch sogenannte Coronaviren
ausgelöst wird und letztendlich fast immer zum Tode der betroffenen Katzen führt.

Eine wirksame Behandlung der Krankheit ist bis heute unbekannt. Hauptsächlich von
der Erkrankung betroffen sind Jungtiere im Alter zwischen 6 Monaten und 2 Jahren,
sowie alte Tiere im Alter über 12 Jahren. Zwei Drittel der erkrankten Katzen sind Freigänger.

Die klinischen Symptome sind äußert vielgestaltig und wenig typisch. Häufig treten
langanhaltende Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Abmagerung, seltener Fieberschübe,
Durchfall und Erbrechen, Störungen des Nervensystems und Atembeschwerden auf.
Nur noch relativ selten werden Bauchwassersucht (Trommelbauch), Gelbsucht und Augenveränderungen
oder sonstige Störungen beobachtet.
Alle diese Erscheinungen können jedoch auch als Folge anderer Erkrankungen auftreten.
Oft äußert sich eine FIP sogar nur als erhöhte Anfälligkeit gegenüber anderen Infektionskrankheiten.

Wie kommt es zu einer Ansteckung?
Von der Krankheit FIP ist die Infektion mit den oben genannten Coronaviren zu unterscheiden.
Sie ist unter Katzen weit verbreitet: Bis zu 40% aller Katzen sind infiziert, es erkranken
aber nur 1%. Alle anderen Katzen tragen das Virus nur über einen gewissen Zeitraum oder aber
lebenslänglich in sich und können damit andere Katzen anstecken, sofern sie es über Kot, Urin,
Speichel, Tränen- oder Nasenflüssigkeit ausscheiden. Dies kann, muss aber nicht der Fall sein.
In größeren Beständen und Zuchten sind die Verhältnisse etwas ungünstiger: Bis zu 90% der Tiere sind
infiziert, es erkranken 5 bis 12%. Dies hängt mit der Art der Ausbreitung der Infektion und dem
Zustandekommen der Krankheit zusammen: Die Ansteckung erfolgt über die Mund- und Nasenschleimhaut.
Wo viele verschiedene Katzen zusammenkommen sammeln sich auch entsprechend viele Virusausscheider an.
Wenn mehrere Katzen zusammen die selben Futterschüsseln und Toiletten benutzen, erhöht sich das Risiko
der Virusübertragung von infizierten auf nicht infizierte Tiere, da die Viren nicht nur direkt von Tier
zu Tier, sondern auch über Geräte, Einstreu und Kleidung übertragen werden können.

Wie kommt es zur Krankheit?
Zwischen dem Zeitpunkt der Infektion und dem Ausbruch der Krankheit können Tage, aber auch Jahre liegen.
Zur Entstehung einer Krankheit kommt es nur, wenn die Viren die Schleimhäute durchdringen, in die Blutbahn
gelangen und sich in bestimmten Blutzellen vermehren. Dies hängt nicht nur vom Vorhandensein der Viren,
sondern auch von den Lebensumständen des Tieres, Stress, anderen Infektionen (z. B. Leukose), dem Alter und
der Rasse des Tieres und seinen Abwehrkräften ab. Auch haben nicht alle Coronaviren die gleiche krankmachende
Wirkung. Neben solchen, die fast bei allen befallenen Tieren eine FIP auslösen, gibt es solche, die relativ
"harmlos" sind und nur unter sehr ungünstigen Umständen eine Krankheit hervorrufen können. Diese können jedoch
in keiner Untersuchung voneinander unterschieden werden.
Zur eigentlichen Krankheit kommt es erst durch eine "falsche" Abwehrreaktion des Körpers. Durch die gebildeten
Abwehrstoffe (Antikörper) entstehen überall im Blutgefäßsystem kleine Entzündungsherde – so können im Prinzip
alle inneren Organe befallen und mehr oder weniger stark zerstört werden. Oft kommt es zu Blutarmut, Gelbsucht,
Leber-, Nieren-, Gehirn- und Augenentzündungen und zu Flüssigkeitsansammlungen in der Brust- und Bauchhöhle.

Wie kann die Infektion festgestellt werden?
Wegen der Vielgestaltigkeit der Symptome ist die Diagnose einer FIP-Erkrankung sehr schwierig. Seit einigen
Jahren gibt es einen Bluttest, der Antikörper gegen Coronaviren im Blut nachweisen kann. Die Aussage dieses
Tests muss aber sehr vorsichtig interpretiert werden.

Was bedeutet ein positives Testergebnis?
Ein positives Testergebnis bedeutet, dass eine Abwehrreaktion auf Coronaviren stattgefunden hat. Es sagt
nichts darüber aus, ob eine einzelne Katze an FIP erkrankt ist oder jemals daran erkranken wird oder ob
sie andere Katzen anstecken kann. Bei einer Katze mit verdächtigen Symptomen müssen neben dem Coronavirustest
immer zusätzlich verschiedene Laboruntersuchungen durchgeführt werden, um die Diagnose "FIP" stellen zu können.
Die sicherste Nachweismethode ist die Untersuchung einer Gewebeprobe eines erkrankten Organs.
Dies kann oft erst nach dem Tod eines Tieres durchgeführt werden.

Was bedeutet Triter?
Beim Test wird meist auch die Menge der gebildeten Abwehrstoffe (Antikörper), der sogenannte Titer, bestimmt.
Er entspricht einer bestimmten Verdünnung des Blutes, bei der die Antikörper gerade noch nachweisbar sind.
Gängige Verdünnungen sind 1:25, 1:100, 1:400, 1:800 und 1:1600. Die Höhe des Titers steht aber nicht in
direktem Zusammenhang mit dem Krankheitsrisiko, denn ein Viertel bis die Hälfte aller nachgewiesenermaßen an
FIP erkrankten Katzen haben einen niedrigen Titer von 1:100 oder weniger. Andererseits können Katzen mit
Titern von 1:1600 gesund sein und bleiben.

Was bedeutet ein negatives Testergebnis?
Ein negatives Testergebnis bedeutet, dass zum Zeitpunkt des Tests keine Abwehrreaktion auf Coronaviren
nachweisbar ist. Es bedeutet aber nicht, dass keine Infektion vorhanden ist, denn sogar bei 11% der
nachgewiesenermaßen an FIP erkrankten Katzen fällt der Test negativ aus, weil vom Zeitpunkt der Infektion
bis zur Bildung von nachweisbaren Antikörpern 3-8 Wochen vergehen können. Zudem bilden manche Katzen generell
nur wenige nachweisbare Antikörper, können aber Viren ausscheiden. Jungkatzen beginnen frühestens im Alter
von 5 – 6 Wochen mit der Bildung von Antikörpern; erst in der 10. – 14. Lebenswoche ist ihr Abwehrsystem genügend
ausgereift, um verwertbare Testergebnisse zu erhalten.
Zusätzlich muss berücksichtigt werden, das es verschiedene Testverfahren gibt, deren Verlässlichkeit
(d.h. Übereinstimmung des Ergebnisses mit dem tatsächlichen Infektionsstatus) unterschiedlich gut ist.

Was verläuft die Infektion?
Langzeitstudien haben gezeigt, dass die Erkrankung, wenn überhaupt, meist innerhalb der ersten 6 bis 18 Monate
nach der Infektion ausbricht; nach ein bis eineinhalb Jahren sind 40% der bis dahin nicht erkrankten, im ersten
Test positiven Tieren bei einem weiteren Test wieder negativ, d.h. sie haben die Infektion aus eigener Kraft
überwunden. Die restlichen 60% bleiben weiter positiv, erkranken aber meist nicht mehr, bzw. erst im hohen Alter.

Welche Katzen sollten getestet werden?
Aufgrund der oben angeführten Unsicherheiten bei der Deutung von Coronavirus-Testergebnissen und der hohen
Infektions- aber geringen Erkrankungsrate wird von Experten davon abgeraten, Katzen ohne FIP-verdächtige
Krankheitssymptome einem Test zu unterziehen, außer wenn es darum geht, in einer Katzenzucht infektionsfreie
Zuchttiere zu ermitteln.
Schließlich kann auch bei bekannter Infektion kaum Schutz vor einer Erkrankung eines Tieres angeboten werden.
Größere Katzenbestände, bei denen immer wieder neue, ungeimpfte Tiere hinzukommen (z. b. Tierheime), können
ohnehin z.zt. niemals Coronavirus-frei werden und kaum ein solcher Bestand wird praktisch dafür eingerichtet sein,
Tiere eineinhalb Jahre lang in strenger Isolierhaltung zu halten. Dagegen muss es als tierärztlicher Kunstfehler
angesehen werden, ein Tier ohne Krankheitsanzeichen wegen eines positiven Testergebnisses einzuschläfern.
Außerdem können diese beiden Alternativen kaum im Sinne des Tierschutzes sein, besonders wenn man bedenkt,
dass es sich um bis zu 90% aller ankommenden Tiere drehen kann.

Wie kann ich meine Katzen vor FIP schützen?
Es bleibt also vorerst bei der unbefriedigenden Erkenntnis, dass man den Coronaviren mehr oder weniger schutzlos
ausgeliefert ist. Ganz gleich, woher man als Katzenhalter eine Katze bekommt: es besteht die Möglichkeit einer
bereits bestehenden Infektion, selbst bei Katzen aus kontrollierten Zuchten besteht ein "Restrisiko".
Die einzige Möglichkeit, Coronavirus-Infektionen und damit die Möglichkeit von FIP-Erkankungen wirksam zu bekämpfen,
besteht in der Impfung möglichst vieler Tiere. Damit kann nicht nur das Einzeltier geschützt werden, sondern es kommt
unter allen Katzen mit der Zeit zu einer Verminderung der Virusverbreitung. Vielleicht kann damit eines Tages die FIP
ebenso zurückgedrängt werden, wie es inzwischen mit der Katzenseuche geschehen ist.
Seit wenigen Jahren gibt es einen FIP-Impfstoff, der in die Nase getropft wird und so die oberen Schleimhäute
"undurchdringbar" für das Virus macht. Das Impfvirus kann sich nicht im Körper vermehren und der keine Krankheit
hervorrufen. Die Wirksamkeit des Impfstoffs liegt bei etwa 80%, d.h. von 100 geimpften Tieren können 80 nicht mehr
angesteckt werden. Bei den übrigen 20% handelt es sich möglicherweise um bereits infizierte Katzen.

Wann sollte man impfen?
Die Impfung ist ab der 16. Lebenswoche wirksam. Sie wird zweimal im Abstand von 3 – 4 Wochen durchgeführt und
jährlich wiederholt. Ein Test ist vorher nicht erforderlich, da, im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten,
die Impfung bereits infizierter, gesunder Tiere keine nachteiligen Folgen hat.
Leider werden aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten der Impfung und der relativ hohen "Versagerquote"
immer noch nur sehr wenige Katzen geimpft, obwohl, wie oben ausgeführt, hierin eine Möglichkeit besteht,
langfristig die Verbreitung der Coronaviren zu vermindern und sie vielleicht sogar auszurotten,
und zudem die einzige Möglichkeit, das eigene Tier immerhin mit einer Wahrscheinlichkeit von 80%
vor einer Ansteckung zu schützen.

Tierärztin – Tierheim
Adolf-Kolping-Str. 25
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